Ein Beitrag von Sebastian Weber
Der Start in Spiez
Die langen Tage neigen sich bereits dem Zenit und somit war Ende Juni der perfekte Zeitpunkt für ein spannendes Hike and Fly Vol Biv Wochenende.
Hochmotiviert trafen sich 6 Teilnehmer zum Frühstück in Spiez ein. Der Plan wurde besprochen. Nämlich war das Ziel am Abend beim Iffigsee ein Vol Biv zu machen, der Weg dahin war variabel, sodass für alle eine ansprechende Route möglich war.
Da nicht klar war, wie viel Hiking noch dazukommen würde, haben wir uns entspannt per Niesen Bahn auf den ikonischen Pyramidengipfel absetzten lassen. Dort angekommen war die Thermik bereits vorhanden. Nun dauert es etwas länger, um zu schauen bis das viele Gepäck von Isomatte über Schlafsack und Biwakzelt verstaut waren. Ein erster Tipp: wenn man den Protektor ausbaut und Isomatte und Schlafsack stattdessen einbaut, baut man die Staufläche enorm aus.



Der Flugplan
Der Plan war wie folgt: Flug der Niesenkette bis Adelboden/Lenk, dann weiter bis zur Blüemlisalphütte für eine Toplandung. Die Krönung je nach Zeit würde sein, weiter je nach Basis zur Jungfrau zu fliegen. Danach den ganzen Weg zurück um westlich der Lenk zum Iffigsee zu fliegen für die Übernachtung. Gut bei dem Plan war, dass je nach Zeit, Basis, Können konnte man jederzeit abkürzen, sodass das Ziel für alle in Reichweite war.
Zwei Gruppen in der Luft
Im Flug bildeten sich dann zwei Gruppen. Die eine Gruppe, welche etwas konservativer und höher flog und die Gruppe, die etwas schneller loszog, allerdings tiefer kam. Teilweise musste topgelandet werden, um fußläufig wieder etwas Höhe zu machen, um Thermikanschluss zu finden.
Oli, Philipp und ich waren in der höheren Gruppe unterwegs und kamen gut vorwärts. Über den Hahnenmoospass und die Gross Loner Kette haben wir die Talquerung von der First rüber über Kandersteg zum Bire gemacht. Dort war es etwas zäh, aber doch für Phippu und mich machbar weiter Höhe zu machen und bei der Blüemlisalphütte reinzulanden. Oli war etwas tiefer unterwegs und landete östlich des Oeschinensees um auch auf sein Training zu kommen und nochmals 700 Hm hochzulaufen.
Dort gab es viele bekannte Gesichter wie Sepp Inniger, Fritz von Känel und Idris Birch, der sich kurzerhand entschied, uns anzuschließen.



Neue Route statt Jungfrau
Nach einer ausgiebigen Pause war klar, dass der Jungfrau-Plan nicht mehr drin liegt. Allerdings interessierten wir uns für die weniger beflogene Route südlich des Oeschinensees an den Fisistöcken vorbei und über spektakuläre Gletscherlandschaften oberhalb der Fründenhütte entlang zu fliegen. Anstelle des Standard-Routings zurück zur Gross Loner Kette westlich von Kandersteg entschieden wir uns für eine Route Richtung Gemmipass.
Dort zog der Nordwind des ansonsten windschwachen Tages spürbar an, und es wurde klar, dass die Transition Richtung Norden gegen den Wind schwierig werden würde.
Oliver war etwas unschlüssig, ob er die hohe Route wählen sollte, hat sich dann aber etwas tief dazu entschlossen, ebenfalls den Gleitflug über das Gasteretal Richtung Obers Tatelishore einzuschlagen. Dort war Geduld angesagt. Unten raus war die Thermik schwach, sodass sein Flug beim Berghotel Schwarenbach endete. Er entschied sich, nach einem Hike dort sein Biwak aufzuschlagen. Leider alleine, dafür hat er dem Namen Abenteuer alle Ehre erwiesen.
Höhenflüge und Hikepassagen
Philipp und ich konnten die grössere Höhe mitnehmen. Philipp versuchte eine Querung Tschingellochtighore, wurde allerdings vom Nordwind runter gespült und konnte die Querung Richtung Adelboden nicht machen. Ich flog weiter Richtung Gemmipass und war hauptsächlich im Nordwind am Aufsoaren. Immerhin ging es am Daubenhorn nochmals hoch auf 3200 m.
Die schwierigste Passage kam jetzt: die Querung des Plaine Morte Gletschers. Mein Plan war es, auf der Südseite des Gletschers im Nordwind soarenderweise zur Bergstation Plaine Morte zu fliegen, um danach irgendwie am Wildstrubel vorbei auf die Alpennordseite zu gelangen.
Philipp hat sich entschieden, nach dem Daubenhorn frech Richtung Nordwesten, bzw. Fluhsee ins Lee zu stechen. Sein Gleiten war verhältnismäßig gut, sodass er am Rande des Plaine Morte kurz einlanden musste, um nach einem 10-minütigen Hike Richtung Norden wieder starten zu können.
Mein Plan ging bis zur Bergstation vom Plaine Morte auf. Ich wurde mit einer atemberaubenden Sicht und nicht über dem Plaine Morte belohnt. Dafür gab es keine Lösung, am Wildstrubel vorbei ins Luv zu gelangen. Also musste ich im Lee einlanden und ca. 45 min auf die Nordseite des Rohrbachsteis hiken. Dort wurde ich dann mit einem wunderbaren Abendflug zum Iffigsee belohnt, wo wir uns dann wieder getroffen hatten.
Nach einem Sprung ins kalte Wasser haben wir oberhalb des Iffigsees unser Nachtlager eingerichtet und genossen eine sternenklare Sicht bei milden Temperaturen.



Der zweite Tag
Am nächsten Tag verstreute sich die Gruppe etwas. Roger startete mit einem Hike via Wildhornhütte zum Schnidejoch, wo er den Weg nach Hause Richtung Wallis in Angriff nahm. Stefan, Philipp und ich hatten einen gemütlichen Hike zum Iffighore geplant.
Dort angekommen, war die Thermik bereits im Gange und wir machten zusammen einen wunderbaren Streckenflug via Laaglehore, Flöschhore, Schatthorn und Niesenkette zurück zum Niesen, wo Philipp und ich zwischenlandeten. Stibe flog gemütlich nach Hause. Philipp und ich nutzten die Gelegenheit, um noch etwas Training zu haben bezüglich Abflughöhe.
Wir fanden heraus, dass mit einem D-Schirm Richtung Walalp die Abflughöhe ca. 2500 m sein muss, damit man an der Moosfluh anknüpfen kann an einem thermisch «normalen» Tag. Zudem war auf dem Rückweg bei der Moosfluh ein Abflug von ca. 1600 m, also knapp über Grat nötig, um am Niesen wieder anzuknüpfen. Mit dieser Info und den Niesen nochmals überhöht zu haben, flogen wir zufrieden raus zum Landeplatz Spiez und traten von dort die Rückreise an.
Fazit
Insgesamt ein lehrreiches Wochenende mit vielen neuen Inputs von Soaring knapp über der Plaine Morte über wunderbare Aussichten hoch über dem Oeschinensee und Aufwachen am Berg bei angenehm kühler Morgenluft. Ich denke, der positive Vibe vom Wochenende hat viele bis zum nächsten Wochenende getragen. Das nächste Abenteuer wird bereits sehnlich erwartet.










